Oh my Guinness!

Im Mai war ich zwei Wochen mit meiner Freundin Juliane in Irland unterwegs. Wir hatten uns diesen Trip schon ewig vorgenommen um an einen wundervollen Urlaub 2015 in Island anzuknüpfen. Während wir für Island damals einiges im Voraus geplant hatten (Auto gebucht, Route beschlossen, Unterkünfte klar gemacht), flogen wir nach Irland diesmal völlig planlos – und ich fand’s perfekt so.

In fremden Betten

Da wir in Island überwiegend positive (wenn auch zugegebenermaßen manchmal sehr merkwürdige, im Nachhinein aber äußert unterhaltsame) Erfahrungen mit Couchsurfing gemacht hatten, wollten wir das auch in Irland wieder versuchen – einerseits, um etwas Geld zu sparen und andererseits, um mit den Leuten vor Ort in Kontakt zu kommen. Zunächst lief das nicht so gut und da die meisten Leute lieber nur einen einzelnen Gast aufnehmen, war unsere Auswahl auch ein wenig eingeschränkt. Kurzfristig meldeten sich aber tatsächlich noch mehrere Couchsurfer und so haben wir uns einen Tag vor Abreise noch eine Unterkunft für’s Wochenende in Dublin gesichert und mussten nicht auf die Schnelle noch nach überteuerten Last-minute Hostel-Betten in 10er-Schlafsälen suchen. Glück gehabt. Unsere Erfahrung mit unserem Host in Dublin war allerdings eher durchwachsen. Er war zwar super lieb und freundlich, hat uns aber auch etwas eingeengt und ein bisschen zu sehr die Kontrolle über unsere Freizeitgestaltung übernommen. Ich schätze, wir und er sind einfach mit sehr unterschiedlichen Erwartungen an das Wochenende gegangen. Bei einem anderen Couchsurfer in Cork haben wir uns von Anfang an viel wohler gefühlt, haben anregende Gespräche geführt, er hat uns seine Lieblingsorte in der Stadt gezeigt und obendrein noch für Abendessen und Frühstück gesorgt – Wahnsinn! Dennoch war unser Bedarf an Couchsurfing nachdem wir Cork verlassen haben irgendwie gedeckt und wir haben unsere Prioritäten neu geordnet. Das ist meiner Meinung nach das schönste am planlosen Reisen – man kann einfach super flexibel auf die eigenen Bedürfnisse reagieren. Juliane hat in ihrer abendlichen Recherche dann auch immer wieder wunderschöne Unterkünfte für uns herausgesucht und wenn ich gesagt habe „Ich hätt gern ’ne Hütte“, dann hat sie eine gefunden. Im Gegenzug habe ich mich überwunden und schließlich doch ein Auto geliehen und mich dem Linksverkehr gestellt, was uns einige besonders schöne Tage abseits der Touri-Massen beschert hat.

On the road

In Killarney, einem kleinen Ort in der Nähe des berühmten Ring of Kerry, haben wir also ein Auto ausgeliehen und netterweise noch ein kostenloses Upgrade bekommen, sodass wir schlussendlich mit einer riesigen Familienkarre (genannt „das Schiff“) über die unfassbar schmalen irischen Landstraßen der Halbinseln Dingle und Iveragh gedüst sind. Das Fahren war für mich doppelt anstrengend, denn nicht nur musste ich ständig schauen, nicht rechts und (vor allem) links sämtliche Büsche und Bordsteine mitzunehmen, sondern eben auch den Linksverkehr in meinen Kopf zu bekommen (und auch noch am dritten Tag griff die rechte Hand beim Schalten immer wieder ins Leere…). Gleich auf unserer ersten Fahrt haben wir auch noch einen Anhalter mitgenommen, der sich wahrscheinlich auch um sein Leben gefürchtet, sich aber nichts anmerken lassen hat.

Das Schiff.

Die restliche Zeit sind wir hauptsächlich mit Bussen gefahren, davon gibt es in Irland genug und die Preise sind zwar irgendwie willkürlich, aber in Ordnung. Selbst in die abgelegensten Käffer kommt man mit den Bussen, man muss nur genug Zeit und Geduld haben. Langweilig wird’s hier nie, von Verspätungen kann man jederzeit ausgehen und es kommt auch mal vor, dass der Busfahrer vergessen hat zu tanken und daher den Bus austauschen muss, was einem schon mal eine halbe Stunde Zeit kosten kann. Allerdings habe ich selbst auch oft genug Verzögerungen verursacht, da es ungelogen drei Mal vorgekommen ist, dass ich den Busfahrer bitten musste irgendwo anzuhalten, da ich so dringend auf’s Klo musste. Am Anfang war mir das super peinlich, irgendwann war’s mir egal.

Auch mit dem Fahrrad kann man in Irland super umher fahren, auch wenn das hügelige Auf und Ab für mich als Brandenburger Flachlandkind manchmal echt frustrierend war. Schlimm war auch Boot fahren, ich wusste vorher gar nicht, dass ich hohen Wellengang nicht gut vertrage aber da saß ich schon da, fast kotzend vor Übelkeit und konnte nicht mehr weg. Am allerschönsten ist Irland meiner Meinung nach zu Fuß. Es gibt wunderschöne Wanderwege, auf vielen von ihnen ist man ganz allein unterwegs. Gut, viele von denen, die wir gegangen sind, sind irgendwann auch eher nur noch Pfade gewesen oder endeten auf einer Kuhwiese mit der netten Warnung „beware of the bull“. Nimmt man diese gewissen Tücken in Kauf, kann man wundervoll in Ruhe und Einsamkeit die schönen Ausblicke über Meer, Klippen und Hügellandschaft genießen. Mehr gesehen als gelaufen haben wir vom Kerry Way – leider, denn der war zwar aufgrund seiner Bekanntheit nicht super einsam, sah aber super schön aus. Dorthin würde ich definitiv noch einmal zurück kommen.

Ein Land für Bücherwürmer wie uns

James Joyce, Jonathan Swift, Samuel Beckett, Oscar Wilde… selbst Dracula-Erfinder Bram Stoker war Ire. So war Irland genau das richtige Land für uns zwei Literaturliebhaberinnen. Was ich allerdings nicht unbedingt verstanden habe, war der Hype um die Ausstellung des „Book of Kells“ in Dublin. Ich kann leider nicht mal mehr sagen, worum es da ging, da ich mich einfach von den Touristenmassen durch die Ausstellung habe schieben lassen ohne wirklich was aufzunehmen. Schön war aber der große Lesesaal (der aufgrund der Touri-Massen natürlich nicht mehr als solcher genutzt werden kann) des Trinity College in Dublin. Noch schöner allerdings sind die vielen kleinen, charmanten Buchläden und -cafés in Irlands romantischen Kleinstädten. Unser beider absolutes Highlight war aber Charlie Byrne’s Bookshop in Galway, in dem man vermutlich ohne zu übertreiben ein ganzes Leben verbringen könnte. Wir konnten uns nach stundenlangem Schmökern jedenfalls nur schwer lösen… und nicht, ohne jede mindestens zwei Bücher zu kaufen.

Ich habe mich oft gefragt, warum dieses winzige Irland ein so literarisches Land ist. Wahrscheinlich liegt’s am irischen Wetter, das die Leute einfach oft dazu zwingt, zuhause zu bleiben, einen Tee zu kochen und es sich ein Weilchen mit einem Buch bequem zu machen – oder eben ein Buch zu schreiben. Eigentlich das perfekte Land für mich. Meine Reiselektüre bestand übrigens aus Heinrich Bölls Irisches Tagebuch (1957) und John Banvilles Spaziergänge durch Dublin (2016).

Eine durchzechte Nacht in Dublin

Die irische Pubkultur ist ja eigentlich über die Grenzen der Insel hinweg bekannt, dennoch war es für mich total überraschend, wie intensiv das tatsächlich betrieben wird. Jeden Abend gibt es Livemusik in den Pubs, selbst in den ländlichen Gegenden, und die Bude ist gerammelt voll. In Dublin werden eher moderne Lieder gesungen, auf dem Land dagegen noch so richtig folkloristisch. Einen Tisch oder teilweise sogar einen Stehplatz zu bekommen war immer schwierig. Samstagabend in Dublin wollten wir eigentlich irgendwo entspannt den Eurovision Song Contest schauen, haben uns dann aber stattdessen vom pulsierenden Nachtleben mitreißen lassen, im The Quays bei Livemusik getanzt und mitgesungen und uns reichlich Guinness und Cider gegönnt. Eigentlich sind wir nicht (mehr) so die Partygirls, aber die ganze Atmosphäre war ziemlich berauschend. Über den Kater am Folgetag wollen wir mal lieber nicht reden…

Als wir am Ende unserer Reise unseren letzten Tag in Dublin verbrachten, haben wir uns (auf dringende Empfehlung) noch das Guinness Storehouse angesehen, die beliebteste Touristenattraktion Irlands. Ich finde den Preis von mindestens 18€ recht deftig, man bekommt aber auch sieben Etagen Ausstellung rund um das Thema Guinness und seine Geschichte geboten und in der 8. Etage in der „Gravity Bar“ über den Dächern Dublins ein gratis Guinness. Und das eine Bier hat total geknallt, so dass wir ziemlich angetrunken von dort zum Flughafen gefahren und wehmütig zurück nach Berlin geflogen sind.

2 Kommentare zu „Oh my Guinness!

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