Mai 2019: Monatsrückblick

„Data does not go viral. Stories do.“ (Lisa Johnson)
In diesem Sinne hier unser cineastisch-literarischer Monatsrückblick vom Mai. Vamos!

GESEHEN

Im Kino

The Favourite – Intrigen und Irrsinn (2019)

Jenny: Ein Historienfilm über starke Frauen zur Zeit Queen Annes in England. Plot: zwei Frauen buhlen um die Gunst von Queen Anne und damit einhergehenden Annehmlichkeiten sowie Lebensstil. Hauptdarstellerin Olivia Colman bekam für ihre Rolle 2019 den Oscar und gewann damit gegenüber unter anderem Glenn Close (deren Leistung in die Frau des Nobelpreisträgers habe ich bereits im Märzrückblick gelobt). Insgesamt war die schauspielerische Leistung in The Favourite wirklich herausragend, zwar grotesk, aber bemerkenswert. Das Trio der drei Frauen lieferte eine unterhaltsame Show, ständig passierte etwas, über das der Zuschauer noch mehr schmunzeln musste als zuvor. Und geflucht wurde en masse. Mit meiner persönlichen Abneigung für Gossensprache würde ich die Wortwahl des Films schon als heftig vulgär bezeichnen. Nicht einmal Die Tudors (absolute historische Lieblingsserie über die Könige und Königinnen in England) sind in meiner Erinnerung so heftig, obwohl es sich dort noch mehr um Sex dreht. Vielleicht muss ich die Serie aber auch einfach mal wieder anschauen. The Favourite jedenfalls war teilweise für meinen Geschmack zu abgedreht und verstörend. Der Film hinterließ mich sprachlos. Die Unterhaltung kam zwar keinesfalls zu kurz, aber ich favorisiere schlichtweg ernstere Royalstories. Die bekannte Besetzung und tiefgründige Story (hoch aufgestiegen, tiefer Fall, Intrigen und Beziehungen sowie Machthascherei) machen den Film jedoch zu einem guten Film, den man definitiv gesehen haben sollte. Meiner Ansicht nach ist er mir selbst lediglich zu schräg.

Annabelle: Eine lesbische Ménage-à-trois am englischen Königshof zu Beginn des 18. Jahrhunderts und mittendrin Königin Anne, Ururenkelin Maria Stuarts und die letzte Regentin der Stuarts. Im Vergleich zu Maria Stuart – Königin von Schottland steht The Favourite am anderen Ende des Spektrums „Historienfilm“. Die Charaktere sind zwar angelehnt an reale Personen, neben Queen Anne selbst nämlich auch ihre Hofdamen Sarah Churchill, Duchess of Marlborough (1660-1744) und Abigail Masham, Baroness Masham (1670-1734). Alles weitere ist jedoch reine Fiktion. Queen Anne ist eigentlich eine sehr tragische Figur, die in ihrem Leben zuerst den Großteil ihrer Familie und später, als verheiratete Frau, in einer reinen Schwangerschaftsfolter, 17 Kinder in 20 Jahren verloren hat. Dementsprechend konnte sie nie einen Thronerben, weshalb mit ihr die Herrscherdynastie des Hauses Stuart endete und das Haus Hannover anschließend für fast 200 Jahre die britischen KönigInnen stellte. The Favourite zeigt jedoch eine verwahrloste, extrem desinteressierte, ungebildete, teilweise sogar dümmliche Queen Anne, die eigentlich wenig im Sinn hat außer sich in ihren Privatgemächern mit ihren Kaninchen (für jedes verstorbene Kind wurde ein neues Kaninchen angeschafft) und ihrer Hofdame Sarah zu vergnügen. Menschliche Triebe und die Gier nach Macht stehen im Vordergrund, erstaunlicherweise aber zur Abwechslung mal mit Frauen als unsympathischen Hauptfiguren und Männern als reiner Staffage. Ich habe den Film als ungewöhnlich verpackte Gesellschaftskritik verstanden und finde ihn in seiner ganzen Machart grandios.

Jenny:

Royal Corgi (2019)

Eine meiner Kolleginnen wollte schon kurz nach dessen Start den Film Royal Corgi sehen. Und bei süß animierten Figuren bin ich fast immer nicht abgeneigt. Wenn einem dann fast täglich ein süßer Corgi vom Filmplakat entgegen lächelt, dann kann man kaum widerstehen. Prinzipiell  wusste ich vorher nur, dass es um die Corgies der Queen geht, den Trailer hatte ich nicht gesehen. Ich ging daher ohne jegliche Erwartungen an den Film heran. Schnell schloss man die süßen Corgies ins Herz, wie die Queen es im Film tat. Einige politische Seitenhiebe (Donald Trump und Brexit) waren auch vertreten. Allerdings kann der Film nicht mit Pets oder den Minions mithalten. Dafür reichen niedliche Corgies nicht aus. Die Story war dann etwas zu übertrieben (Achtung Spoiler!). Corgi bricht aus seinem royalen Leben aus, landet im Tierheim, behauptet sich dort und kehrt mit seinen ganzen Straßenhunden in den Palast zurück. Trotz einiger Lacher war der Film nur mäßig unterhaltsam. Meine Kollegin war enttäuscht. Fazit: Kurzweilig, für Tage, an denen das eigene Gehirn fast zu gar keiner Leistung mehr in der Lage ist.

Die Berufung (2018)

Dieser Film hat mich unfassbar sprachlos im besten Sinne gemacht. Er war jede einzelne Sekunde wert. Und wieder einmal war ich dankbar, im Kino zu arbeiten, sonst würden mir nicht nur einige Filmhighlights entgehen, sondern ich würde auch nicht so häufig allein ins Kino gehen.

Die Berufung basiert auf der wahren Geschichte von Ruth Bader Ginsburg, einer US-amerikanischen Juristin und beisitzenden Richterin am Supreme Court, dem obersten Gerichtshof der USA. Sie setzte sich bereits früh in ihrer Laufbahn für Frauenrechte bzw. wie im Film geschildert für die Gleichstellung der Geschlechter ein. So vertritt sie im Film einen Junggesellen, der steuerlich diskriminiert wird, weil früher angenommen wurde, dass Pflegepersonen stets weiblich seien, da Frauen immer daheim blieben und Männer immer arbeiten gehen würden. Die Bedeutung der komplexen und tiefgreifenden Thematik von Geschlechterdiskriminierung ist in der heutigen Zeit aktuell wie eh und je. Die Berufung hat mich tief bewegt und mitgerissen. Und als angehende Juristin natürlich schon bei den ersten Minuten in den altehrwürdigen Hallen der Harvard Law School abgeholt. Ein absolutes Must See!!! Die Schauspieler agieren authentisch und bis ins kleinste Detail glaubhaft. Nach dem Film musste ich mich erst einmal etwas sammeln und in die Realität zurück finden. Er ist künstlerisch wertvoll im besten Sinne. Hier ist Ruth Ginsburg ohne Frage der stärkste Charakter, aber auch die Porträtierung ihres Mannes, der ein erfolgreicher Steueranwalt ist und uneingeschränkt seiner Frau auf Augenhöhe begegnet (und mit Armie Hammer auch etwas fürs Auge ist), ist sehr gelungen und glaubwürdig. Besonders die Szene am Ende, in der die „echte“ Ruth Ginsburg die Stufen des Supreme Court erklimmt, ist noch einmal ein Zeugnis für die Tiefe und Kraft dieses filmischen Meisterwerks. Dass Frauen in manchen Berufen nicht ganz so ernst genommen werden, wie männliche Kollegen, ist auch heutzutage noch ein aktuelles Thema und auch vielfach in Juristenkreisen leider noch der Fall. Natürlich ist meine Meinung zum Film nicht ganz unvoreingenommen, aber dennoch kann ich hier eine dicke Empfehlung aussprechen! Die Berufung ist damit schon jetzt eines meiner Filmhighlights 2019!

Glam Girls (2019)

Rebel Wilson und Anne Hathaway sind eigentlich Garanten für eine Komödie zum Schießen. Einige Lacher hatte der Film durchaus zu bieten, aber es war auch eher eine Komödie von vielen. Vieles schon gesehen und viele bediente Klischees. Wobei es am Ende schon etwas überraschte, dass zwei Trickbetrügerinnen, die stets tönen, dass Frauen besser betrügen können, von einem männlichen Trickbetrüger um ihr Geld betrogen werden. Steckt hierin vielleicht doch ein kleiner Seitenhieb gegen Männer? Gutes Popcornkino für seichte Unterhaltung, wie auch schon der weibliche Oceansfilm, aber kein Kino-Must-See.

Aladdin (2019)

Als weiteres Highlight dieses Jahres überraschte mich Disney übertrieben positiv mit dem Realremake von Aladdin. Nachdem mich Disney außer mit Maleficent lange nicht mehr mit einem Film abholen konnte, gelang dies umso mehr mit Aladdin. Wunderschöne Bilder, harmonierende Schauspieler, unfassbar viele Lacher, bei denen ich zuweilen fast auf dem Kinoboden lag, Will Smith als klasse Genie (aller Kritiken zum Trotz!), gängige Lieder und der spürbare Disneycharme machen diesen Film zu einem Must See! Ich möchte sagen: Disney erstrahlt in altem Glanz. Und jetzt freue ich mich umso mehr auf den König der Löwen. Aladdin ist Kino, so wie es sein muss: man verlässt den Saal begeistert und mit einem endlos positiven Gefühl. Danke, Disney!

John Wick (Triple) (2014-2019)

Anlässlich des dritten John Wick Films wurden bei uns im Kino alle drei Filme hintereinander gezeigt. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Und es war wirklich lohnenswert. Die ersten zwei Filme kannte und liebte ich bereits, da passte es super noch einmal die ganze Geschichte des ehemaligen Auftragskillers John Wick (brillant dargestellt von Keanu Reeves) hintereinander zu sehen. Drei Filme reichen dann aber auch. Ich weiß nicht, wie die Leute in den Filmmarathons das machen…

John Wick hatte es mit höchsten Anstrengungen geschafft aus dem Business auszusteigen, um ein normales Leben mit seiner Frau zu verbringen. Er war also ganz hollywoodlike für die Liebe ausgestiegen und hatte sein Leben geändert. Nach dem Tod seiner Frau fiel er jedoch in ein großes Loch. Und als Personen aus seiner Vergangenheit auftauchten und sich mit ihm anlegten, holte er seine einbetonierten Arbeitsmaterialien wieder aus dem Keller.  Sein Ruf eilte ihm schon jeher voraus, da er mehrere Männer nur mit einem Bleistift umgebracht hatte. So fragte ihn auch jeder, ob er denn endgültig zurück sei. So unentschlossen er im ersten Film noch war, umso fokussierter war er dann im dritten Film. Samt und sonders ging es in allen drei Filmen heiß her. Teil 1 und 2 bildeten jedoch mehr eine Einheit als Teil 3, da es in letzterem zu viel um asiatische Kampfkünste ging. Diese beherrscht John Wick natürlich auch, aber es passt nicht so recht zu seiner Figur. Nichtsdestotrotz war es wieder ein mitreißender Film und eine klare Empfehlung. FSK 18 ist hier völlig angebracht, an manchen Stellen schaute ich lieber weg. Die Filme sind definitiv nichts für schwache Nerven. Obwohl die Filme in ihrer Plotzusammenfassung nur als brutale Ballerfilme anmuten, steckt mehr dahinter. Die Welt, in der sich John Wick bewegt, hat klare Regeln und Konsequenzen, welche auch rigoros umgesetzt werden. An deren Ende steht die Exkommunikation. Es geht weiterhin um Fragen zu Loyalität und wofür es sich zu leben bzw. zu sterben lohnt. Dass John Wick zurückkehrt und es von außen dabei „nur um einen Hund und ein Auto geht“, mag auf den ersten Blick irritieren. Jedoch waren diese Sachen die letzten wenigen Konstanten in seinem Leben und der Hund ein direktes Geschenk seiner verstorbenen Frau. Es waren also seine Werte und für ihn nicht nur Hund und Auto. Ob jeder vernünftige Mensch insofern es nicht aber hätte gut sein lassen und sich an seinem mühsam erarbeiteten Frieden erfreut hätte, kann jeder für sich selbst entscheiden. Essentiell werfen hier alle Filme der Reihe aber die Fragen nach Werten, Prioritäten, Anschauungen und Entscheidungen auf. Zudem warten sie alle mit gutem Witz und anspruchsvollen Kampfszenen auf, sodass gute Unterhaltung garantiert ist.

Sofasichtungen

Jenny:

To all the boys I’ve loved before (2018)

Dass Netflix sich mittlerweile dahingehend richtig ins Zeug legt mit Eigenproduktionen die Film- und Serienszene so richtig aufzumischen, ist nichts Neues. Dass sich darüber regelrechte Hypes entwickeln, schon. Gefühlt tausend Jahre nach allen anderen habe ich es dann auch geschafft To all the boys I’ve loved before zu schauen. Und sofort habe ich mich gefragt, warum ich es nicht schon eher getan habe. Schaut ihn euch an, der Film ist klasse! Vielleicht eher ein Mädchenfilm, aber absolut sehenswert. Der Film ist super süß gemacht, spricht aber auch viele ernste Themen an. Die Hauptdarsteller sind Zucker und spielen ihre Parts echt gut. Das große Problem der Hauptfigur ist, dass sie Angst hat, verletzt zu werden und daher auch nie über ihre Gefühle spricht. „Wenn es nicht real ist, kann ich auch niemanden verlieren.“ Das sagt Lara Jean. Das Mädchen weiß bereits einiges über Verlust, denn ihre Mutter ist verstorben und ihre große Schwester, die danach ihre weibliche Vorbildfigur war, geht zum Studieren nach Schottland, Flugstunden entfernt. Da sie danach auf ihre kleine Schwester einsam wirkt, schickt diese Lara Jeans nie abgeschickte Liebesbriefe an deren Empfänger und bringt diese damit in einige Verlegenheiten. Was zunächst wie eine Teeniekomödie von vielen anmutet, geht viel tiefer und spricht von einer Angst, die jeder kennt: verletzt zu werden. Wir wollen doch alle nur jemanden, der uns liebt, mit all unseren Fehlern. Und sie akzeptiert, auch wenn wir schwach sind und ihnen unterliegen. Und dieser jemand uns unsere Fehler bestenfalls nicht jedes Mal erneut vorhält. Jemand, der nicht weg läuft, wenn es hässlich wird, uns aber auch Schranken aufzeigt und fördert und fordert. Jemanden, der das Beste aus uns raus holt und uns liebt wenn wir es selbst nicht können. TATBILB macht Mut und zeigt, was passieren kann, wenn man einfach mal hinter seiner Mauer hervor kommt. Ein echt guter Film. Ob ich das Buch noch lese, weiß ich noch nicht so recht. Netflix dreht bereits die Fortsetzung und ich hoffe sehr, sie versauen es nicht. Denn manchmal sollte man aufhören wenn es am Schönsten ist.

Serien, das bessere Kino?

Jenny:

GoT, finale Staffel (kein Spoiler!)

Damit ist es also vorbei. So our watch has ended. Staffel 8 von HBOs Hitserie Game of Thrones erhitzte die Gemüter wie keine andere. Nach einer enttäuschenden Staffel und zahlloser Häme im Internet war das Ende insgesamt versöhnlich. Einige logische Fragen bleiben bestehen. Trotzdem fällt der Abschied mit der „Qualität“ der letzten Staffel deutlich leichter. Man bekommt eben nicht immer, was man will, auch nicht als Fan. Das Staffelfinale hat mich zum Staunen, Lachen und Weinen gebracht und hatte damit eigentlich alles. Ich kann das Kapitel Game of Thrones damit versöhnlich ad acta legen und mein Skyticket-Abo kündigen.

Annabelle:

The Rain

Ich bin wieder im Sucht-Modus, denn Netflix hat die zweite Staffel der dänischen Serie The Rain herausgebracht. Die Serie ist eine klassische Dystopie: Nach einer Umweltkatastrophe, in der Menschen durch Regen mit einem tödlichen Virus infiziert werden, gibt es nur noch wenige Überlebende, unter ihnen die junge Simone und ihr Bruder Rasmus. Ganz ähnlich wie in The Walking Dead sind die Überlebenden nun Teil einer Welt ohne Gesetze und ohne staatliche Ordnung. Der Kampf um das Überleben setzt ethische Werte und Regeln einer zivilisierten Gesellschaft außer Kraft und die menschlichen Gemeinschaften, die sich bilden, sind Abbild eines soziologischen Experiments. Seit KiKa Anfang der 2000er diese völlig abgedrehte Serie The Tribe – Eine Welt ohne Erwachsene ausgestrahlt hat, fahre ich total auf solche Science-Fiction/Kathastrophen-/The day after tommorow-artigen Serien ab! Falls da jemand eine Empfehlung hat – immer gern.

GELESEN

Annabelle:

Mit der Faust in die Welt schlagen (2018) von Lukas Rietzschel

Vor einiger Zeit hat Jenny mir ein Buch ausgeliehen und gemeint, das müsse ich unbedingt lesen. Ich hab mich kaum damit beschäftigt worum es geht und einfach angefangen zu lesen. Es erzählt von einer Kindheit in den 90ern, zwei Brüder die scheinbar behütet im Osten Sachsens aufwachsen. Doch schon bald macht sich der wirtschaftliche und soziale Verfall der Region bemerkbar. Desillusionierte Figuren versuchen einigermaßen über die Runden zu kommen, fühlen sich aber von der Politik vernachlässigt und alles geht irgendwie ein bisschen den Bach runter, auch, wenn nichts dramatisches passiert. Die Jugend hat wenige Optionen – nur wer in die Städte oder in den Westen geht, kann sich von den Bürden der scheinbar äußersten Peripherie Deutschlands befreien. Doch eine Gruppe junger Männer in Neschwitz trotzt dem Verfall mit Brutalität und Tobias, der jüngere der beiden Brüder, schließt sich ihnen fasziniert an. Als dann auch die „Flüchtlingskrise“ ins Spiel kommt, wird die Gruppe immer politischer. Montagsdemonstrationen in Dresden und brennende Flüchtlingsunterkünfte stehen auf ihrer Agenda. Und doch scheinen sie selbst manchmal gar nicht sicher zu sein, was sie da eigentlich tun oder warum:

„Bist du sicher, dass wir das machen sollen?“
“ Was bleibt uns denn anderes übrig? […] Unser Land. Unsere Heimat.“

Mit der Faust in die Welt schlagen zeigt eine von Hoffnungslosigkeit geprägte Generation in einem abgeschnittenen, vernachlässigten Teil von Deutschland, in dem die Menschen das Gefühl haben, sie wurden sich selbst überlassen. Vielleicht ist es ein Buch, das einem dabei hilft, nachzuvollziehen, was gerade in Deutschland passiert und warum der Osten politisch immer noch so anders tickt. Die Europawahlen kürzlich haben ja gezeigt, dass sich an der Unzufriedenheit der Menschen in den neuen Bundesländern rein gar nichts geändert hat. Der Roman hätte aber meiner Meinung nach noch viel drastischer erzählen können. Ich als Nachwendekind aus dem Osten kann zwar viele Denk- und Handlungsweisen der Figuren ganz gut verstehen, denke aber, dass das Erzählte für Menschen mit weniger Bezugspunkten oft viel zu vage und unverständlich bleibt.

Irisches Tagebuch (1957) von Heinrich Böll

Ich finde es immer sinnvoll, im Vorfeld oder während einer Reise Berichte über das Land zu lesen. Das Irische Tagebuch von Böll stand schon lange in meinem Regal und im Mai habe ich es dann mit auf meine Irland-Reise genommen. Es zeigt ein Irland von vor über 60 Jahren und ich fand es sehr interessant, was sich noch heute dort wiederfinden lässt und was scheinbar der Vergangenheit angehört. Böll schreibt etwa immer wieder über die für ihn unnachvollziehbare Familiensituation der Iren, in der grundsätzlich 5 von 7 Kindern einer Familie das Land verlassen um in Amerika, England oder Australien Arbeit zu finden, da Irland hoffnungslos überbevölkert ist. Heute ist diese Situation natürlich eine völlig andere – in erster Linie tatsächlich Dank Anti-Baby-Pille. Was sich jedoch seit Bölls Aufzeichnungen nicht verändert hat, ist die Freundlichkeit und Herzlichkeit dieses kleinen Völkchens. Wer also vor hat, nach Irland zu reisen, sollte mal reinlesen, es gibt eine Reihe witziger Anekdoten und unterhaltsamer Geschichten.

Jenny:

After love (Spoiler) (2014)

Wenn man in der Öffentlichkeit liest und aufpassen muss, nicht laut los zu brüllen. Und vor allem: dabei nicht zu fluchen wie ein Bierkutscher, weil man die Wortwahl des Charakters im Kopf hat.

Vielleicht ist die Beziehung zwischen Hardin und Tessa nicht wirklich erwachsener oder evolviert, die Themen des Buches schon. Der eine Partner (ich gehe an dieser Stelle davon aus, dass beide eine Beziehung führen, auch wenn sie sich dessen oft nicht einig sind) will für die Karriere umziehen, der andere partout nicht, wie also soll es bzw. soll es überhaupt gemeinsam weitergehen? Das andere große Thema, welches mich körperlich fertig gemacht und schmerzend zurück gelassen hat: Mädels Drogen ins Getränk mischen und wehrlos machen. Wie widerlich und grausam können Menschen bitte sein? Ich musste an dieser Stelle das Buch weg legen und durchatmen. Ich war aufgewühlt und das Kopfkino lief auf grausame Art und Weise. Hier hat die Autorin die ganz harten Geschütze aufgefahren. Scheinbar gibt es keine Tabuthemen, was aber wiederum zu der abusive und drogenlastigen Szene passt, in welcher Hardin sich bewegt (hat). Dieses Vorkommnis ist zudem leider vielfach realer als man glauben möchte. Nicht auszudenken, wie es den Opfern hinterher geht. Ein Glück, dass es der Protagonistin erspart bleibt. Doch nicht jede hat so viel Glück.

Trotz einigen neuen Inputs drehen sich Tessa und Hardin weiterhin ziemlich im Kreis und ihre Beziehung ist genauso verkorkst wie eh und je. Ständige Wiederholungen wie beide sich gegenseitig provozieren und eifersüchtig machen, gehen einem zuweilen mächtig auf die Nerven und man fragt sich, warum die vorhandene Erkenntnis, dass beide ohne einander besser dran wären, nicht umgesetzt wird. Aber irgendwie will man das wiederum auch nicht, denn man möchte als Leser ja ein Happy End. Schwierige Geschichte. Dass es in diesem Buch auch um Abhängigkeiten geht, liegt auf der Hand. Philosophisch mutet der Gedankengang „nur weil man jemanden liebt, heißt das nicht, dass man nicht ohne ihn leben kann“ an. Gefühlt können Tessa und Hardin nicht richtig miteinander, aber auch nicht ohne einander. Es ist wie eine Sucht. Reale Suchtprobleme zum Thema Alkohol und Drogen spielen im Buch auch eine zentrale Rolle. So ist Tessas lange verschollener Vater nicht nur Alkoholiker, sondern nimmt auch Drogen. Harte Themen für ein Teeniebuch, aber dennoch real.

After forever (fette Spoiler!) (2015)

Puh, das Buch musste ich erst einmal nach ca. 100 Seiten zur Seite legen. Das Auf und Ab der Emotionen hat mich fertig gemacht. Was zwischen den Hauptfiguren Tessa und Hardin als Wette anfing, dann zu einer ernsten Beziehung wurde, wird nun zu einer emotionalen Achterbahn mit tiefer gehenden Problemen und Fragen. Themen wie Hochzeit, Kinder, Lebensmittelpunkt, Fernbeziehung, psyschische Probleme und Heilung werden im letzten Band der Reihe relevant.

„Ich verstehe nicht, warum ich nach so langer Zeit und so viel Ärger noch immer lieber all das auf mich nehme als mich von ihm zu trennen. […] Aber ich liebe ihn mehr als mich selbst. Ich hätte nie gedacht, dass man so lieben kann, und ich wünsche mir einfach, dass er glücklich ist. Nicht  für mich, sondern für ihn.“

So kitschig diese Worte auch sind, so muss auch Tessa erkennen, dass Liebe manchmal nicht genug ist.

„…und das beweist mal wieder, dass man die Menschen nicht ändern kann, so sehr man sich auch bemüht. Wenn sie es selbst nicht wollen, ist es hoffnungslos. […] Man kann sie noch so sehr unterstützen, sie werden ihre niedrigen Erwartungen nicht aufgeben, man kann ihnen noch so viel Liebe geben, aber sie werden ihren Selbsthass nicht vergessen. Es ist ein aussichtsloser Kampf.“

Mit dieser Erkenntnis ist das Ende der Beziehung zwischen Hardin und Tessa besiegelt. Zwischen beiden ist einiges passiert. Letztlich zu viel. Beide gehen daher getrennte Wege und leben ihr Leben. Als Leser ist man ziemlich fassungslos und kann nicht glauben, dass es kein Happy End gibt. Und doch schickt die Autorin beide auf ihre eigenen Wege. Ohne einander. Sie spielen zwar immer eine Rolle im Leben des anderen und sie können einander auch nicht vergessen, aber es vergehen fucking Jahre (Afterfans wissen wovon ich rede xD) bis sie sich überhaupt mal wieder persönlich wiedersehen. Trotzdem ist das Knistern zwischen beiden ungebrochen. Doch jedes Mal wenn der Leser denkt, dass sie wieder zusammen kommen, passiert es nicht. Tessa ist zu stur und will ihr eigenes Leben und ihre Unabhängigkeit so sehr bewahren. Hardin würde sofort in die Beziehung zurück kehren, respektiert aber Tessas Wünsche und lebt sein Leben. Und so vergehen Jahre. Beide verschwenden Jahre getrennt, bevor sie letztlich auf den letzten paar Seiten des Buches doch wieder zusammen kommen und eine glückliche Familie werden. Schade nur, dass man als Leser nichts über die glücklichen Zeiten erfährt, sondern nur Lebensabschnitte hingeworfen bekommt. Hatte man doch so lange mit beiden mitgefiebert. Es ist zwar ein versöhnliches Ende und man freut sich über’s Happy End (ich bin ein Sucker für Happy Ends, was soll ich sagen?), aber man vermisst auf dem Weg dorthin mehr mitgenommen zu werden und daher legt man das Buch mit gemischten Gefühlen weg. Was man am Ende aber trotzdem mitnimmt, ist ein großes Gefühl der Hoffnung. Das letzte Buch der Afterreihe hat mich positiv zurück gelassen. Am besten beschreiben es Hardins Worte selbst:

„Ich habe auf die harte Tour gelernt, dass das Leben nicht unbedingt ein Kampf sein muss. […] Hoffnung gibt es immer. Es gibt immer einen neuen Tag, es gibt immer eine Möglichkeit alles wiedergutzumachen. […] Es wartet immer etwas Besseres.“

Auch nun beim Schreiben der Review lassen mich diese Worte unfassbar positiv und berührt zurück. Auch wenn es nur eine Buchfigur ist, so bewegt es einen, dass Hardin, die Negativität in Person, letztlich diese Worte sagt und auch so meint. Menschen und Erfahrungen verändern uns. Und sind es die richtigen, so ist die Veränderung zum Guten. Und meist lohnt es sich nicht aufzugeben.

GEHÖRT

Jenny: Ich bin Anhängerin des Podcasts „Auf einen Vino mit Jana und Alessa“ geworden. Die beiden sind zwei Freundinnen in unserem Alter und quatschen meist in 40-60 Minuten über Gott und die Welt. Oft greifen sie auch aktuelle Themen auf, so wie man es bei einem normalen Mädelsabend auch machen würde. Meist fließt dabei zumindest eine Flasche Wein (daher auch der Name). Die beiden haben mit ihrem Podcast den Anspruch mit ihren Zuhörerinnen eine gesellige Runde zu verbringen und das gelingt ihnen auch. Es geht nicht um Missionierung oder Tiefgreifendes, sondern schlichtweg um Unterhaltung.

Annabelle: Guilty Pleasure des Monats: Pietro Lombardi – Bella Donna! ❤ Viel Spaß mit dem Ohrwurm.

GESPEIST

Jenny:

Mochi

Mochi sind japanische Reiskuchen. Ich hatte sie schon oft gesehen, aber noch nie probiert. Als Freunde dann eine Packung dabei hatten, habe ich nicht nein gesagt. Die Sorte war Erdnuss. Beim in die Hand nehmen hatte ich schon Angst, das kleine Teil zu verlieren. Es war unfassbar weich. Daher habe ich mir auch nicht getraut abzubeißen, sondern schob es mir komplett in den Mund. Dies stellte sich als großer Fehler heraus. Die Mochi sind zwar klein, aber auf einmal war mein Mund voll. Kauen war unfassbar schwierig, gefühlt wird es einfach mehr im Mund. Ich kämpfte also mit der kleinen Süßigkeit. Ich gewann, aber mit der Konsistenz wird es einfach nicht meins, auch wenn es geschmacklich gut ist. Super süß, aber gut. Vielleicht sollte ich das nächste Mal Messer und Gabel zu Hilfe nehmen.

Bester Blechkuchen (FC)

Man mag es nicht glauben, aber ich habe das sogenannte Filmcafé (FC) bei uns im Kino (auch bekannt als Rentnercafé) lieben gelernt. Es laufen teilweise sooo gute Filme und es gibt leckeren Kuchen. Backfee Annabelle (Shoutout!) konnte mich sogar von Bananen im Kuchen überzeugen. Dieser war so deliziös, gerne wieder!

ERLEBT

Annabelle: Für mich gab’s diesen Monat schon meinen Jahresurlaub, ich habe zwei Wochen in Irland verbracht und berichte hier ausführlicher.

Jenny: Spontan auf ein Konzert? Kann man mal machen. Sollte man sogar machen, wenn ein mega Erlebnis garantiert ist. Und so hatte ich dank einer Freundin einen der besten Abende auf dem Openingkonzert der Open Air Tour „1982“ von Casper und Marteria auf dem Expo Plaza Hannover. Auch wenn wir in unserer Euphorie vollkommen vercheckt hatten, dass es sich um ein Open Air handelt. Zum Glück hatten wir unsere Jacken dabei, auch wenn wir diese letztlich gar nicht brauchten. Trotz 22000 Menschen hatten wir gute Plätze und die beiden legten eine super Show hin. Ihre Freundschaft, Rührung und Dankbarkeit zeigte sich deutlich und man merkte, dass beide gar nicht fassen konnten vor so vielen Menschen zu stehen und deren Fangesänge sie zu Tränen rührten. Fazit: Einfach mal machen. Und: spontane Ideen sind meist die besten. 😉 Und so endete mein Lieblingsmonat Mai mit einem Bang.

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