Juli 2019: Monatsrückblick

Heiß, heißer, Juli 2019. Der offizielle Hitzerekord in Deutschland wurde geknackt. Reihenweise streben die Besucher ins Kino, denn wir haben klimatisierte Säale. Davon merken wir zwar leider am Kassenbereich wenig, aber der Kunde ist ja auch König. Trotz einiger Open Air Erlebnisse haben auch wir uns den Genuss im kühlen Kinosaal nicht nehmen lassen.  Hitze frei!

Gesehen

Im Kino

Traumfabrik (2019)

Jenny: „Die Gefühle, die wir auf der Leinwand sehen, sind vielleicht nicht echt, aber die, die wir beim Zusehen empfinden [sind es wohl].“ (Filmzitat)

Mit Traumfabrik hat die deutsche Kinolandschaft mal wieder ein Prachtexemplar von Film hingelegt. Eigentlich tue ich mich mit deutschen Filmen schwer. Richtig gut gefallen mir dabei nur wenige Ausnahmen. Dieser ist einer davon. Er bietet brilliante Hauptdarsteller und erzählt von Träumen, der großen Liebe, Risiken und Mut und besitzt dabei Witz und außerordentlichen Charme. Traumfabrik ist herzergreifend, aber driftet nicht ins Kitschige ab, da eben nicht alles in rosarot dargestellt wird, sondern realistisch und nachvollziehbar. Großes deutsches Kino!

Annabelle: Ich kann mich deiner Meinung nur anschließen. Der Film hat mich komplett abgeholt, wirklich rundum wundervoll.

König der Löwen (2019)

Jenny: Die lang ersehnte Realanimation des Disneyklassikers holt das Genre Kino definitiv aus einem Sommertief. Dieser Film läuft so gut wie länger keiner davor. Ich habe ihn bisher nur in deutsch und 2D geschaut und verstehe, warum die OV in Englisch deutlich besser besucht ist. Aber fangen wir mit dem Positiven an: die Animation ist unfassbar detailreich und realitätsgetreu. Man könnte statt im Kinosaal auch in der Savanne Afrikas sitzen. Hier hat Disney sich definitiv selbst übertroffen. Schon der Einstieg mit Der ewige Kreis hat sämtliche Kindheitserinnerungen geweckt und mir Tränen in die Augen getrieben. Das war es dann aber auch schon an Highlights. Im Deutschen hat man bis auf die Gesangsbesetzungen der Hyänen und Timon und Pumbaa völlig daneben gegriffen. Kann es wirklich Liebe sein ging gar nicht. Der arme Elton John würde weinen. Vergleichsweise musste ich daher zwingend den Vergleich in Englisch ziehen, in welchem uns Queen Beyoncé die Ehre erweist. Und ich sage: schaut diesen Film auf Englisch! In deutsch kommt er so gar nicht an den Klassiker oder das Musical heran. Auf deutsch ist der Film ok, aber wird dem besten Disneyfim aller Zeiten einfach nicht gerecht.

Annabelle: Der König der Löwen ist einer der wenigen Disneyfilme, die ich gesehen habe (- ja, meine Oma hatte damals nur König der Löwen, 101 Dalmatiner und Pocahontas auf VHS-Kassetten). Daher waren diese 120 Minuten für mich wie eine Reise in die Kindheit, der ich mich voll hingeben konnte. Schöne Bilder, schöne Musik und schöne Story.

Franzi: Im Kino gab es bei mir im Juli auch mal wieder süße Tierbabys: Nachdem Dumbo mich bereits mit verzückten Niedlichkeitsausrufen im Kinosessel überzeugt hat, gab es nun erneut beim König der Löwen viele Aww-Momente. Hier wird natürlich nichts Überraschendes oder Neues erzählt, noch bietet der Film visuell Neues. Der original Animationsfilm ist ziemlich exakt übernommen worden, was ich aber nicht weiter schlimm finde. Man weiß ja vorab, was man höchstwahrscheinlich zu sehen bekommen wird. Wiederum überraschender die tollen Neuauflagen der Songs mit Beyonce und Childish Gambino, das konnte bei der Besetzung ja aber auch gar nicht schief gehen! Der Film ist auch optisch ein Genuss; Scar und die Hyänen als besonderes Highlight wirklich ziemlich unheimlich. Wer nicht zu viel Innovation erwartet, der wird hier auf keinen Fall enttäuscht rausgehen! Dennoch rate ich, ganz wie Jenny, definitiv zur Originalversion, zwecks bereits gelobter Starbesetzung.

Yesterday (2019)

Jenny: Yesterday dachte ich noch der Film wäre ein Highlight des Jahres. Sorry, aber für mich so gar nicht. Trotz zahlreicher Lacher ob der Surrealität und Skurrilität des Films hat er mich so gar nicht mitgenommen. Ich habe schon lange bei keinem Film mehr überlegt, ob ich nach 10 Minuten gehe. Daran konnten auch die wie immer bezaubernde Lily James (welche hier aber nur minimal etwas singen darf), die stets zum schießende Kate McKinnon und der herrlich komische, sich selbst nicht zu ernst nehmende Ed Sheeran nichts ändern. Der Hauptdarsteller hat mich so gar nicht abgeholt. Ich habe auch nur auf „produced/powered by Ed Sheeran“ gewartet. Fazit: Nicht mein Film. Liegt vielleicht an einer Übersättigung an Musikfilmen dieses Jahr.

Annabelle: Dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht, war von Anfang an klar. Die Kuriosität zieht sich als charakteristisches Stilmittel durch den gesamten Film – ich für meinen Teil finde das wahnsinnig unterhaltsam. Und ich liebe Lily James. Kann man sich meiner Meinung nach definitiv ansehen!

Rocketman (2019)

Annabelle: Etwas verspätet habe nun auch ich Rocketman gesehen, Jenny und Franzi haben ihre Meinungen ja bereits hier kundgetan. Unterhaltsam, tiefgründig und mitreißend, ja. Aber den ganzen Film über eine Gänsehaut wie bei Bohemian Rhapsody (2018) hatte ich nicht. Vielleicht, weil ich zu Elton John nicht so eine emotionale Beziehung hab wie zu Queen, vielleicht auch, weil ich nicht so auf dieses Musical-Ding stehe. Im Großen und Ganzes aber ein ordentlicher Batzen Musikgeschichte und daher durchaus zu empfehlen.

Sofasichtungen

Jenny: The Drowning (2016)Achtung, Spoiler!

Seit langem mal wieder einen Film auf Netflix geschaut. War ok. Der Thriller The Drowning animierte mich eher die ganze Zeit dazu, den Kopf zu schütteln und die Hauptfigur zu fragen, was mit ihm nicht stimmt. Wenn ich mich von einem Menschen permanent bedroht fühle und dieser ständig in meinem Haus oder Büro auftaucht, dann würde jeder normale Mensch doch einmal etwas unternehmen. Tut Josh Charles nicht. Bis der Film dann am Ende seinem Titel alle Ehre macht und die Hauptfigur mit seinem manipulativen Gegenspieler in den See fährt, aber nur sich zuvor abschnallt und daher auch nur er überlebt. Kurzweilige Unterhaltung, die nach einem anstrengenden Tag schon ganz ok war.

Annabelle: Jumanji – Willkommen im Dschungel (2017)

Ich habe mir noch einmal das wunderbare Jumanji-Remake angesehen denn – Trommelwirbel! – Teil 2 soll noch im Dezember diesen Jahres rauskommen. Ich freu mich drauf, denn ich bin ein großer Fan dieses Films. Schon die Besetzung aus Teil 1 ist mit Dwayne Johnson, Kevin Hart und Jack Black grandios, nun soll aber auch die Rapperin Awkwafina (wir kennen sie als die verrückte blonde Lady aus Crazy Rich Asians (2018)) eine signifikante Rolle spielen. Ich bin unheimlich gespannt!

Franzi: Detroit (2017)

Eher durch Zufall stieß ich bei Amazon Prime auf Detroit, der die Aufstände der schwarzen Bevölkerung in der titelgebenden Stadt gegen Rassismus, Ungerechtigkeit und Polizeigewalt- und willkür thematisiert. Das historische Ereignis wird als dramatisiertes Dokufiktionsgemisch inszeniert und wirft den Zuschauer ohne große Einleitungen direkt in die chaotischen Geschehnisse. Dabei fühlte ich mich oft orientierungslos und überfordert, die Kamerafahrten irrten umher und ließen keine Ruhe zu. Keineswegs ist das aber ein Kritikpunkt, sondern eher ein zum Gezeigten passender Mechanismus, welcher jegliche Distanz zur Handlung brutal bricht. Eine Grundstruktur ist durch drei räumlich abgegrenzte Akte auszumachen, und gibt den Ereignissen wieder etwas Ordnung. Somit bietet der Film aufwühlende, verstörende aber auch sehr gut inszenierte Bilder. Und natürlich sollte man sich allein schon der Botschaft wegen mit diesem Werk auseinandersetzen.

Serien, das bessere Kino?

Jenny: The Vampire Diaries (2017)

Endlich habe ich es nach Jahren dann auch einmal geschafft noch die letzte Staffel TVD zuende zu schauen. Nachdem die Hauptfigur Elena aus der Serie ausgestiegen war, hatte ich mich mit dem Weitersehen schwer getan. Nichtsdestotrotz wollte ich die Serie irgendwann abschließen. So saß ich mit den letzten Folgen dann heulend im Zug. „Es war episch“ und ich bekam bis auf kleine Abstriche mein ersehntes Happy End.

Gelesen

Annabelle: Lars Mytting: Die Glocke im See (2019)

Schon der Roman Die Birken wissen’s noch (2016) des norwegischen Autors hat mich damals total gepackt und ich hab die über 500 Seiten innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Als ich nun im Radio (ja, ich höre Literatursendungen im Radio, ich bin eine Oma) gehört habe, dass es ein neues Buch von Lars Mytting gibt, habe ich das natürlich sofort gekauft und mal wieder quasi weggeatmet. Ich kann kaum beschreiben worum es geht, da es unheimlich vielschichtig und breitgefächert ist. Es spielt Ende des 19. Jahrhunderts in einem abgeschiedenen Dorf in Norwegen. Ein deutscher Architekturstudent kommt dort hin mit dem Auftrag, eine alte Kirche dort abzubauen und in Dresden wieder aufzubauen. Doch dann geschehen eine Reihe merkwürdiger Dinge und die Grenze zwischen Mythos und Realität gerät ins Wanken. Grob gesagt geht es um Freiheit, Hoffnung, Liebe und Schicksal – gute Zutaten für ein fesselndes Buch.

Franzi: Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah (2013)

Ein ganz, ganz fabelhaftes Buch hat mich diesen Monat begleitet und mir die wenige Zeit, die ich ins Lesen investieren konnte, belohnt. Americanah von Chimamanda Ngozi Adichie erzählt eine Geschichte einer jungen Nigerianerin, die vom fernen, verheißungsvollen Amerika träumt (wie die ganze Gesellschaft es tut), und schließlich,motiviert durch den politischen Ausnahmezustand in ihrem Land, auch die große Reise antritt. Wie sie dort erstmals mit dem Konzept Rassismus konfrontiert wird, und sich den Herausforderungen zwischen ihrer nigerianischen Identität und den amerikanischen Gesellschaftserwartungen stellen muss, ist faszinierend zu lesen. Viele Themen werden im Blogformat thematisiert – von Haartexturen bis zum Amerikanischen-Akzent-Aneignen – und eröffneten mir neue Horizonte. Sprachlich ist der Roman so flüssig und ansprechend verfasst, dass sich das doch recht umfangreiche Buch wie im Nu ausliest. Ich habe nichts weiter zu sagen als: Unbedingt lesen!

Gehört

Jenny: Podcast: Zeit Verbrechen

Auf Empfehlung der lieben Annabelle gehört. Harter Tobak. Ich habe bisher nur eine Folge gehört, musste diese aber auch in Etappen hören, so mitgenommen hat es mich. Wie viel menschliches, juristisches und staatliches Versagen man hier präsentiert bekommt, ist unglaublich. Und doch sieht so die Realität aus. Besonders im Bereich des Jugendstrafrechts ist einiges in unserem Rechtssystem unzulänglich. Nichts für schwache Nerven.

Franzi: Migos

Nachdem ich das Wireless Festival am Monatsanfang besuchen konnte, war mein Juli dann auch vom Hören der Migos geprägt. Deren Konzert fand ich dort nämlich am mitreißendsten, und schon auf der Autofahrt zurück lief Bad and Boujee quasi bis zur Schmerzgrenze. Die Jungs machen natürlich nichts super Ungewöhnliches in diesem Genre, sind aber bei fast jedem Song eingängig und haben einen bemerkenswerten Flow.

Gespeist

Jenny: Nach einem erfolgreichen Escaperoomgame waren wir beim MakaMaka in Dresden. Hier gibt es auch diese neumodische Erfindung der sogenannten „Cakeshakes“. Natürlich musste ich als echtes Werbeopfer einen probieren und entschied mich für Oreo Love. Bei diesem ist der Milkshake mit einem Oreodonut, einem Oreosandwicheis und Oreokeksen getoppt. Oreo Overkill quasi. Mit 10 € auch sehr preisintensiv, aber man gönnt sich ja sonst nichts xD

Erlebt

Jenny:

Das Wirtshaus im Spessart

Die Comödie Dresden startete diesen Sommer mit einem neuen Open Air Schauplatz am Schloss Übigau in Dresden und nutzt das sanierungsbedüftige Schloss als Kulisse. Hinter einem die Elbe und vor einem Lachen bis die Bauchmuskeln schmerzen. Wie immer ist bei der Comödie Lachen garantiert und die Schauspieler liefern erstklassige, witzige und absurde Darbietungen. Wir waren zum ersten Mal zu einer Generalprobe. Am Ende vergaß dann eine Darstellerin auch ihren Text, aber die Kollegen haben köstlich reagiert und dies für komödiante Bemerkungen und eigene Lacher genutzt, sodass man sich daran nicht störte, sondern noch mehr unterhalten fühlte. Besonders schön ist auch, dass in jedem eigenen Stück der Comödie die Verbundenheit zu Dresden und zu Sachsen zum Ausdruck gebracht wird. Wie immer eine klare Empfehlung.

1982. Cas & Mar.

Zum zweiten Mal dieses Jahr war ich bei Casper und Marteria zum Open Air. Dieses Mal bei den Filmnächten am Elbufer. Und es war noch einmal spektakulärer als das erste Mal. Die Hütte brannte. Und das lag nicht nur an den 30 Grad im Schatten. Ich werde zwar nie verstehen, warum die beiden im Hochsommer in Hoodies auftreten, aber ihre Performance war weltklasse. Nur die Vorband hätte man getrost weglassen können. Ein Highlight meines Jahres.

Franzi: Prüfungszeit heißt auch: Sonst nicht viel los. In diesem Beitrag habe ich von meinem musikalischen Kurztrip nach Frankfurt berichtet, und dann gab es einen Abstecher nach Bielefeld zu einer Hochzeit (dort habe ich leider die hochzeitfeierfreie Zeit ebenso fürs Lernen nutzen müssen). Noch schnell einen Escape Room gerockt – wir werden langsam richtige Profis, Jenny und Annabelle ♥ – und dann war gefühlt auch schon der August gekommen. Mal schauen, ob der wieder etwas aufregender wird.

Ausblick

Zwei große Filme kommen im August auf uns zu: Fast & Furious – Hobbs & Shaw direkt am 1. August und Once upon a time in Hollywood mit Leonardo DiCaprio und Brad Pitt am 15. Darüber hinaus gibt es ein paar kleinere Filme, die recht interessant klingen. Blinded by the Light (22.8.) versetzt uns mal wieder in einen einsamen Teenager aus einer Einwandererfamilie im konservativen England – wie gut wir dieses Szenario doch schon kennen! Diesmal ist es Bruce Springsteens Musik die hier eine zentrale Rolle spielt. Mit Good Boys (22.8.) kommt mal wieder eine ganz klassische amerikanische Komödie ins Kino – anspruchslos aber unterhaltsam. Why not, dafür wurde das Kino ja ursprünglich erfunden! Wenn man doch mal was anderes will: Berlin, I love you (8.8.) ist ein Episodenfilm, der verschiedene Liebesgeschichten in und über Berlin erzählt – jede von einem anderen Regisseur gedreht. Er ist Teil einer Filmreihe namens Cities of Love. Und zuletzt noch was Deutsches, was ich leider in der Sneak verpasst habe: Und wer nimmt den Hund? (8.8.) Der Trailer sieht gar nicht mal so blöd aus!

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