September 2019: Monatsrückblick

Hui, und da war er auch schon vorbei, der September. Gefühlt war es nur ein Wimpernschlag. Aber man merkt bereits, die Tage werden kürzer und die Blätter bunter. Die Zeit von „Pumpkin Spice and everything nice“ ist angebrochen. Das Jahr neigt sich dem Ende zu und langsam muss man für Weihnachten und Silvester planen. Wir verharren aber erst einmal noch bei den Highlights des vergangenen Monats. Los geht es!

Gesehen

Im Kino

Der Klavierspieler vom Gare du Nord (2018)

Jenny: Dieser Film stellt die Musik in den Vordergrund. Als Hauptdarsteller fungiert hier klassische Musik. Ein zauberhafter französischer Film, welcher den Zuschauer bannt und ergreift. Ich hatte an vielen Stellen Gänsehaut und war traurig als der Film vorbei war. Diese filmische Liebeserklärung an die Klassik ist herrlich hoffnungsvoll und wunderschön. Würde ich sofort wieder ansehen.

Der Honiggarten – Das Geheimnis der Bienen (2018)

Jenny: Die leider vielerorts immer noch nicht als natürlich angesehene gleichgeschlechtliche Liebe wird detailliert, aber delikat behandelt. Im Schottland der 1950er Jahre gesettet, greift der Film viele gesellschaftliche Themen auf. Es geht um Liebe, Frauen und Karriere, uneheliche Verhältnisse, die Rolle der Frau, Mutterdasein. Es wird klar, dass wir unsere heutigen Freiheiten viel zu wenig zu schätzen wissen. Cineastisch glänzt der Film mit prachtvollen Bildern, tollen Kostümen und zwei überzeugenden Hauptdarstellerinnen. Großes Kino!

Annabelle: Dem kann ich mich nur anschließen. Ein absolut fesselnder Film, tiefgründig wie unterhaltsam. Die Frisuren und Mode der 50er Jahre und dieses ganze Schottland-Setting sind das I-Tüpfelchen einer packenden Story.

Gut gegen Nordwind (2019)

Jenny: Großes deutsches Kino in diesem Jahr, die Zweite. Große Gefühle von nebenan. „Onlinedating“ per Zufall. Schritt in die Realität gänzlich unmöglich? Ist Liebe in einer Blase möglich? Opfert man die Realität zugunsten der Vorstellung, zugunsten eines „was wäre, wenn“? Überragende Hauptdarsteller. Mitfiebern unvermeidbar. Hat mich sehr gefesselt und gebannt.

Annabelle: Für wenig Handlung ist dieser Film durchaus lang, das muss man schon sagen. Nichtsdestotrotz fühlte ich mich sehr gut unterhalten und musste feststellen, dass Nora Tschirner nach wie vor einfach wundervoll ist.

Es – Chapter Two (2019)

Franzi: Kaum lässt der Herbst auch mal wieder Regenschauer niedergehen und sorgt für Düsterwolken, wird es auch im Kino wieder ungemütlicher: Pennywise ist zurück. Im zweiten Teil der King-Verfilmung legen sich ebenjene Teenager, die schon in Es – Chapter One vom Albtraumclown terrorisiert wurden, als Erwachsene mit dem Schrecken an. Glücklicherweise gibt es aber trotzdem etliche Szenen mit dem jungen Cast aus Teil 1, den ich damals ganz wunderbar und sympathisch fand. Die erwachsene Besetzung rund um James McAvoy und Jessica Chastain kann dem Charme der jüngeren Darsteller leider nicht gerecht werden, und generell ist das eine Sache, an der Es – Chapter Two krankt. Die Leichtigkeit und Authentizität aus Teil 1, der streng genommen eher Coming-of-Age-Drama als Horrorfilm war fehlt hier nahezu komplett. Stattdessen wird vielmehr Schockmoment an Schockmoment gereiht, was über die dreistündige (!) Laufzeit leider zäh und nervig wird. Schade, ich hatte gehofft, dass die beiden Filme tonal ein rundes Bild ergeben würden, das ist absolut nicht der Fall. Trotzdem ist Es 2 zumindest meist unterhaltsam und kann mit aufwändigen Szenenbildern und Kostümen überzeugen.

Geheimnis eines Lebens (2018)

Annabelle: Dass die in England geborene Physikerin Joan Stanley in den 1930er und 40er Jahren als Spionin für den russischen KGB tätig war, kommt erst viele Jahrzehnte später ans Tageslicht. Doch Joan ist nicht das typische Klischee einer sexy Doppelagentin, wie wir es aus den allermeisten Hollywood-Spionage-Filmen mit weiblichen Hauptfiguren kennen (ich denke da spontan an diverse Filme mit Angelina Jolie oder Anna (2019) und Red Sparrow (2018)). Der Film beleuchtet ihre Entwicklung von einer ganz „normalen“ Cambridge-Studentin hin zu einer Frau mit gefährlichem Doppelleben. Großartiger Film.

Jenny: Dieser Film nach einer wahren Begebenheit ist trotz des Settings in den 1930ern nachvollziehbar und fesselnd. Die Hauptfigur ist eine starke Frau mit bewegender Geschichte. Sich in sie hinein zu versetzen fällt leicht. Filme wie dieser mit Tiefgang sind einfach ganz ganz großes Kino. Danke, Annabelle, für die Initiative dieses Schmuckstück zu schauen!

Downton Abbey (2019)

Jenny: Obwohl ich die Serie (bisher) nicht gesehen habe, ließ ich mich von dem Hype um den Kinofilm anstecken. Mich erwartete seichte Kinounterhaltung, welche sowohl für Fans der Serie als auch für Neulinge geeignet ist. Vorwissen ist nicht zwingend nötig. Es glänzen tolle Kostüme und Bilder, jedoch gibt es wenig Story. Ein Film zum Genießen, Konsumieren und Abschalten.

Annabelle: Als Fan der Serie war es für mich schön, die geliebten Figuren mit ihren zahlreichen Eigenarten, ihrem Charme und ihrem ganz speziellen Humor auf der Leinwand zu sehen. Was inhaltlich passiert, spielt nur am Rande eine Rolle. Und dafür, dass in der Serie teilweise so viel passiert ist, was das ein sehr ruhiger und positiver Ausklang.

Sofasichtungen

Jenny: Welches Sofa?! xD Filme schaue ich irgendwie nur noch im heimischen Kinosessel. Ist halt doch noch einmal etwas ganz anderes. Und es gibt das beste Popcorn der Welt.

Annabelle: Auch wenn es mir da aktuell ähnlich geht, möchte ich hier kurz eine Empfehlung abgeben: Aktuell gibt es einen meiner Lieblingsfilme, Unsere Mütter, unsere Väter, auf Netflix. Der Dreiteiler wurde sehr kontrovers diskutiert und ist vielleicht teilweise mit Vorsicht zu genießen, dennoch finde ich ihn total ergreifend.

Franzi: Election (1999)

Bei der Lobhymne zum Kino muss ich mal mit einem sofagesichteten Filmtipp gegensteuern. Denn gibt es etwas Schöneres als verregnete Tage auf dem Sofa mit Tee und High-School-Komödie zu verbringen? Election führte ich mir dabei recht spontan zu Gemüte und möchte hier eine dicke Empfehlung aussprechen! Mit einem ganz eigensinnigen, spröden Humor und lauter ambivalenten Charakteren spitzt der Film die Ereignisse rund um eine Schülervertretungs-Wahl dermaßen zu, dass man keinen Moment aufatmen kann. Ein Gute-Laune-Film, wie er im Buche steht und obendrauf gibt es eine noch sehr junge, toll parodistisch die überehrgeizige Streberin mimende Reese Witherspoon.

Serien, das bessere Kino?

Jenny: Ich habe die ersten Folgen der dritten Staffel von Tote Mädchen lügen nicht geschaut. Heftig. Die Serie nimmt ziemlich an Fahrt auf und wird immer düsterer. Ich bin sehr gespannt, was noch kommt, bin aber schon wieder total gefesselt.

Gelesen

Jenny: Ich habe tatsächlich etwas beizutragen. Zwar keine hochtrabende Literatur, aber Balsam für die Seele, seichte Unterhaltung quasi. Endlich habe ich Die kleine Bäckerei am Strandweg von Jenny Colgan gelesen, nachdem ich diese Reihe schon lange im Auge hatte. Ich gebe zu, das schöne Cover hat mich angesprochen. Die Lektüre hat sich aber durchaus gelohnt. Das Buch vermittelt einen gewissen inneren Frieden und das Gefühl, dass egal wie schlecht etwas läuft, es sich immer zum Guten wendet. Zum Kopf abschalten perfekt! Band zwei steht schon auf dem Nachttisch.

Franzi:

Megan Goldin: The Escape Room (2018)

Mir stand im September ebenso die Lust nach leichter Lektüre, ich griff aber nicht zur Urlaubsromantik, sondern zum abgeklärten Thriller. Ursprünglich vom Namen angelockt, musste ich schnell erkennen, dass dieser etwas irreführend ist. Primär geht es um die Wall-Street-Welt mit ihren nie ruhenden Finanzhaien, welche eben in einem Fahrstuhl eingesperrt einen Escape Room bewältigen sollen. Dass nicht alles so ist, wie es erst scheint, sollte in dem Genre mit seinen Twists und Turns ja klar sein. Auf jeden Fall habe ich den flüssigen Schreibstil geliebt, und war ständig gespannt, wie es weiter gehen würde. Auch auf die Auflösung des Romans bin ich zum Glück nicht allzu schnell vorab gekommen, und konnte so gespannt verfolgen, was passiert. Einzige Kritik, die aber sein muss: Goldin ruht sich sehr auf den platten Klischeebildern des Bankertypus aus, kaum einer ist da auch mal menschlich und vielschichtig. Vielmehr sind die Charaktere eher schemenhafte Stereotype. Dennoch eine Empfehlung für alle, die mal wieder etwas Spannungsliteratur brauchen.

Erich Kästner: Fabian (1931)

Groteske, gut beobachtete Berlinsatire die von allerlei sittenlosem Treiben erzählt und das scharfe Urteil über dieses gleich beifügt. Über 300 Seiten erwandert der Leser mit dem moralischen Fabian die Abgründe der Gesellschaft, und erfährt viel über eine vergangene Zeit. Ein kompaktes, mit Humor durchzogenes Büchlein voller Weisheiten und Tragödien.

Gehört

Annabelle: Ich habe wieder einen neuen Podcast des Monats auserkoren: Mordlust, der True Crime Podcast von Paulina Krasa und Laura Wohlers. Dank meiner Zeit Verbrechen-Sucht, hat Spotify mir diesen vorgeschlagen. Hier geht es fast ausschließlich um Mordfälle in Deutschland, manche davon in den letzten Jahren, einige sogar ungeklärt. Dies führte anfangs zu den einen oder anderen Einschlaf-Problemen, da ich abends echt Schiss hatte, dass ein Mörder in meiner Wohnung ist. Mittlerweile habe ich mich irgendwie daran gewöhnt, dass Mord und Totschlag an jeder Ecke warten. Schon verrückt. Fazit: Nichts für schwache Nerven, doch wer sich traut, wird bestens unterhalten.

Erlebt

Jenny: Musikalische Highlights in diesem Jahr waren Alligatoah und das Musical Mamma Mia. Ersterer klang als hätte er seine CD verspeist, bot wie erwartet eine große Show. Nicht nur eine Performance, sondern Kunst vom Feinsten. Das war ein Konzert der etwas anderen, aber unfassbar besonders schönen Art! Meine Musicalliebe fand im Abbamusical auch höchste Befriedigung. Klasse stimmgewaltige Darsteller boten eine grandiose Performance, obwohl es für die Filmfans ungewöhnlich war die Liedtexte auf deutsch zu hören und nicht Meryl Streep zu sehen. Am Ende wurde man mit einer Party und der englischen Version von Waterloo sowie den typischen Kostümen entlassen. Die Grinsekatze in mir verließ höchst zufrieden das Theater des Westens in Berlin. Ich danke meiner Kinocrew (Annabelle, Franzi, Christoph, Fabi und Maria) herzlichst für dieses Erlebnis!

Franzi: Den September dominierte mein zweiwöchiger großer Jahresurlaub: Einmal quer durch Deutschland ging es für meinen Freund und mich. Gedanke dahinter: Wieso fliegt man eigentlich jährlich sonstwohin, um Neues zu sehen und zu entspannen, wenn man doch so viele Orte im eigenen Land nur vom Namen her kennt? Daher wollten wir unseren 2019er Urlaub einige interessante Städte abklappern, die wir vorher mittels Unesco Weltkulturerbe – Liste und spontanen Assoziationen zusammentrugen. Vom Steampunk – Escape Room zum Geschichtslehrgang im Lübecker Hanse-Museum, vom Fußbad in der bibberkalten Ostsee zum Wandern auf den Brocken, vom Schlendern durch uraltes Fachwerkpanorama in Quedlinburg hin zum Irren durch Felsengänge in Nürnberg. Wen wundert es bei dem vollen Programm, dass wir dann bei unserer letzten Station Bamberg gar nicht mehr soviel unternehmen und sehen wollten, und stattdessen Bowlen gingen und der lokalen Brauereikultur frönten? Die erlebnisreichen Wochen waren bereichernd, abwechslungsreich und wunderschön. Und doch ist es auch okay, dass es nun mit dem Alltag weitergeht. Wir machen ihn uns so schön wie möglich. Bevor das Arbeitsleben wieder über mich hereinbrechen durfte, waren wir dann aber, wie Jenny schon schrieb, beim Berliner Mamma Mia – Musical im Theater des Westens. Ein großer, bunter Spaß mit altbekannten Gassenhauern und ansteckend gut gelaunten Darstellern. Der perfekte Monatsausklang!

Annabelle: Mein Herz geht auf, denn es ist endlich Herbst, meine absolute Lieblingsjahreszeit. Die Schuhe werden brauner, die Gesinnung auch… ich bin kurz davor ein Laubblatt zu pressen. Das erste September-Wochenende habe ich zum Wandern im Harz verbracht, das war traumhaft. Ende des Monats habe ich es auch mal wieder für einen Tag in die Sächsische Schweiz geschafft. Außerdem bin ich hart am Kochen und Backen (Kürbissuppe, Gemüsesuppe, Kartoffelsuppe, Kürbisauflauf, Zucchinigratin, Pumpkin Pie, Veganer Apfelkuchen, Pflaumenkuchen, Flammkuchen…). Ich habe sogar schon Hagebutten und Walnüsse gesammelt, Gilmore Girls wieder von vorne abgespielt, einen senfgelben Pullover gekauft und heute morgen hätte ich zum Frühstück fast Bridget Jones geschaut – das ist aber eigentlich erst im November dran.

Ausblick

Annabelle: Im Oktober steht bei uns alles unter dem Motto „Die 24 Stunden von Hogwarts„. Darüber hinaus können wir uns auf folgende Kino-Schmankerl freuen: Am 29. Tag der Deutschen Einheit kommt die Verfilmung von Siegfried Lenz‘ Roman Deutschstunde (1968) in die Kinos. Hier geht es um Siggi Jepsen der als Kind während der NS-Zeit zwischen seinem regimetreuen Vater und seinem Patenonkel steht, der Maler ist und dessen Kunst von den Nazis als „entartet“ bezeichnet wird.
Als weiteren deutschen Film können wir im Oktober Das perfekte Geheimnis (31.10.) auf der Leinwand sehen. Der Film mutet ein bisschen wie ein Treffen der aktuellen deutschen Schauspielgrößen aus dem Bereich Komödie an: Elyas M’Barek, Karoline Herfurth, Florian David Fitz, Jella Haase Frederick Lau… Mit Dem Horizont so nah (10.10.) kommt mal wieder eine scheinbar perfekte Liebesgeschichte ins Kino, die von einer unheilbaren Krankheit überschattet wird. Tragisch geht es weiter mit Joker (10.10.). Hier spielt Joaquin Phoenix den bekannten Comic-Bösewicht und Erzrivalen von Batman. Auch Disney ist im Oktober wieder am Start mit Maleficent 2 (17.10.) Der Animationsfilm Die Addams Family (24.10.) bringt dann hoffentlich noch ein bisschen lustige Gruselstimmung ins Kino, daran mangelt es mir nämlich noch als große Halloween-Liebhaberin.

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