Oktober 2019: Monatsrückblick

Die Blätter sind gefallen und die Zeit des Pumpkin Spice verging schneller als uns lieb war. Gefühlt rast jeder Monat zum Jahresende noch zügiger an uns vorüber als der vorherige. Kaum wird das Wetter schmuddeliger, begeistern sich wieder mehr Menschen fürs Kino und unsere Aufmerksamkeit wird dort sowie mit Beginn des neuen Semesters in der Uni verlangt. Zwischen einigen goldenen Herbsttagen blieb daher nicht viel zu erleben und nun berichten. Aber einige Schmankerl haben wir selbstverständlich trotzdem im Gepäck!

Gesehen

Im Kino

Leaving the frame (2019)

Jenny: Auf diese Filmreportage der deutschen Schauspielerin Maria Ehrich bin ich über einen Podcast aufmerksam geworden. Maria und ihr Freund Manuel sind einige Monate mit einem Käfer und sämtlichem darin verstauten Reisegepäck durch Mexiko und die USA gereist. Leaving the frame kommt unfassbar authentisch rüber und trifft den Zahn der Zeit. Oftmals fühlt man sich wie in einer hochwertigen Instagramstory. Natürlich geht es auch um Themen wie Umwelt, Klima und menschliche Schicksale. Dabei ist der Film aber nie belehrend, sondern zeigt lediglich auf. Meinen Respekt haben die beiden für ihr Werk. Es war ergreifend und ehrlich und hat mir sehr gefallen.

Dem Horizont so nah (2019)

Jenny: Diese Buchverfilmung hat mich unfassbar berührt. Ehrlich und überzeugend geschauspielert. Klasse Gefühle vermittelt. Beklemmung. Taschentuchalarm garantiert. Trotzdem keine Schnulze. Toller Film. Top deutsche junge Schauspieler. Und Hottie Jannis Niewöhner. Positiv das Gefühl, dass der Film ewig geht. Man wollte sich gar nicht verabschieden. In keiner Hinsicht. Ich hab ihn mir auch gerne ein zweites Mal angeschaut.

Joker (2019)

Jenny: Der Filmhype des Jahres Joker mit Joaquin Phoenix hat mich völlig sprachlos gemacht. Ich konnte mit Annabelle gar nicht sofort nach dem Abspann darüber diskutieren. Krass, überwältigend, verrückt und beklemmend, um nur ein paar Adjektive zu nennen. Die Altersfreigabe könnte meiner Meinung nach auch ab 18 sein. Dabei waren nicht die Gewaltszenen das schlimmste, sondern die psychische Härte des Films. Ich war danach ziemlich mitgenommen. Guter Film, ohne Frage, wobei ich mir bei dem Hype noch mehr erwartet hatte. Jedoch nichts für schwache Nerven.

Franzi: Natürlich kam auch ich nicht um DEN Oktoberstart schlechthin herum: Joker lässt die Kinokassen klingeln und Feuilletonschreiber riesige Leitartikel schreiben. Zu brutal, verstörend, provokant und anstachelnd… was hat man diesem Antihelden-Portrait nicht alles an Adjektiven zugeschrieben. Meiner Meinung nach macht man den Film damit größer als er ist. Sicherlich ist er gut gemacht, mit tollem Score bestückt und mit einem brillanten Darsteller an der Vorfront, aber so richtig Neues wird hier auch nicht erzählt. Desweiteren hätte der Film ruhig noch ein bisschen mehr in die Psyche des titelgebenden Joker gehen können, vieles bleibt an der Oberfläche erzählt und lässt einen zwar mit Unbehagen, aber auch Ratlosigkeit zurück. Dass ich generell gar nicht soviel mehr zu sagen habe, kann natürlich auch heißen, dass ich einfach nicht für diesen Film in seinem schlammig-düsteren Farbschema gemacht bin.

Annabelle: In der Oberflächlichkeit, die Franzi thematisiert, sehe ich eher die unheimliche Komplexität der Darstellung psychischer Krankheiten widergespiegelt. Die vielen äußeren Einflüsse, die einen Menschen in seinem inneren Werdegang beeinflussen, machen mich sprachlos. Dieser Film ermöglicht so viele Denkansätze und Diskussionsstoff, dass er auf mich eher wie ein Gesprächsangebot oder ein Einstieg in eine ungeheuer facettenreiche, tiefgründige Analyse der menschlichen Psyche wirkt.

Parasite (2019)

Franzi: Einen irrsinnigen, teils absurden, teils hyperrealistischen Blick in das Klassensystem Südkoreas lässt uns der Thriller Parasite werfen. Stets mit schwarzhumorigem Unterton begleitet der Zuschauer eine manipulativ-gewitzte Familie, die in einem siffigen Keller in einem schlechten Viertel wohnt und nach dem Aufstieg trachtet. Sie schaffen es durch Intrigen, in das Leben einer neureichen Familie einzuziehen, und sind fortan als Fahrer, Hausmädchen und Nachhilfelehrer auf Abruf zur Stelle. Dass die immer wieder knallhart präsentierte Grenze zwischen Arm und Reich innerhalb des Films eine richtige Klippe an Elend aufreißt, ist zu erwarten und hat mich natürlich berührt und wachgerüttelt. Wirklich raffiniert wird der Film, der übrigens auch in Cannes 2019 die Goldene Palme gewann, aber erst durch seine unerwarteten Wandlungen, seinen Hang, auch zunächst abstruse Wendungen zu nehmen. Dadurch unterhält der Film durchgehend, und steckt voller tonaler Ebenen, die sich toll ergänzen und die ich so sehr selten im Kino erleben konnte. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, den Blick über den Blockbustertellerrand hinaus zu werfen.

Sofasichtungen

Jenny: Irre sind männlich (2014)

Mit Besuch schaffe ich es auch mal wieder Netflix zu schauen. Da kam uns diese verrückte, abgedrehte, aber sehr unterhaltsame, wenn auch kurzweilige deutsche Komödie genau richtig. Inhaltlich völlig gaga (zwei Typen gehen zu Therapiesitzungen, um so Frauen kennen zu lernen und ins Bett zu bekommen), trotzdem gute Unterhaltung. Romantik kommt auch nicht zu kurz. Für einen witzigen Abend genau richtig.

How to get away with murder (Serie, 2014)

Nachdem ich bei dieser fabelhaften Serie lange einen Hiatus hatte, weiß ich nun wieder wieso diese Serie so gehyped wurde. Ich liebe die Charaktere, deren Zusammenspiel und wie rasant die Serie an Fahrt aufnimmt. Neben den Fällen, die Strafverteidigerin Annalise Keating im Tagesgeschäft übernimmt, spinnt sich im Hintergrund ein Netz aus Lügen, Geheimnissen, Unfällen, Betrug und Morden um die Hauptfiguren. Man weiß nie recht, wem man wie trauen kann, wer gut und wer böse ist. Ich suchte es.

Franzi: Jugend ohne Gott (2017)

Irgendwie hätte mir dieser Film viel besser gefallen müssen, als er es dann letztlich tat. Jugend ohne Gott enthält soviele Erzählmotive, die ich mag: Teenie-Trainigscamp, Auslese der Besten, gesellschaftliche Außenseiterfiguren, reiche Snobs mit psychotischem Hang zum Bösen. Am Ende wird das Ganze sogar noch ein halbes Justizdrama, also warum nur gefällt mir dieser deutsche Film nur so mittelprächtig? Ich schiebe es darauf, dass in zu wenigen Minuten zu viel erzählt wird: So richtig bringt einem der Film das zugrundeliegende Gesellschaftsbild nicht näher, sondern stürzt komplett gehetzt in die Haupthandlung. Dann konzentriert sich die Erzählung leider auf ziemlich farblose Protagonisten, deren Denkmuster oft unfassbar konstruiert wirken. Dabei gab es durchaus Nebencharaktere mit großem Potenzial – diese werden leider erst gen Ende so richtig eingeführt. Alles in allem leider keine Empfehlung, dabei glänzen in allen möglichen Szenen soviel interessante Plot Points – was das Schauen von Jugend ohne Gott umso frustriender für mich machte.

Hocus Pocus (1993)

Family-Fun-Halloweenunterhaltung ist ein ganz wichtiges Genre für mich; gerade da ich, um mit meinem Freund auf dem Sofa in Halloweenstimmung zu kommen, nie richtig gruselige Horrorfilme anmachen darf. Somit also ein älterer Disney-Film über fiese Hexen, und mutige Kinder, die denen den Garaus machen. Dazu gibt es all das, was ein spooky Film braucht: sprechende schwarze Katzen, Zaubersprüche, und eine überraschende Musicalnummer. Toll!

Bachelor in Paradise – aktuelle Staffel auf RTL

Peinlich, aber jetzt muss es hier noch erwähnt werden, schließlich ist die RTL-Datingshow regelmäßiger Bestandteil meiner Sofasichtungen. Endlose Strände, „tiefsinnige“ Gespräche, die sich doch immer nur um Oberflächlichkeiten drehen, schamlosen Kamerafahrten auf Sixpacks und Bikinibodys. Und das alles im Zeichen der ganz großen Liebe. Leider entwickelt das Format eine richtige Sogwirkung, sobald man alle Kandidaten und ihre Dynamiken untereinander kennt, und zwingt förmlich zum Weiterschauen. Aber Vorsicht: Vor dem Einschalten ein Glas Wein nehmen und den Anspruch runterschrauben!

Gelesen

Franzi:

Vea Kaiser: Makarionissi oder Die Insel der Seligen (2015)

Eine Familiengeschichte, die sich über mehrere Generationen und von Griechenland über Amerika nach Österreich erstreckt: Dabei ist Kaiser’s Schreibstil fluffig-witzig, die Ereignisse schnell erzählt und abwechslungsreich. Und nebenbei werden dann natürlich noch die großen Fragen des Menschseins verhandelt: Von Vergebung, Erwartungen an das eigene Leben, von Werten und dem Heimkehren. Habe ich sehr schnell gelesen und für großartig befunden!

Alexander Schimmelbusch: Hochdeutschland (2018)

Hochdeutschland ist ein Roman, in dem nur sehr wenig passiert – er ist auch nicht dick, zugegeben – aber sehr, sehr viel erzählt wird. Allein an einem Vapiano-Besuch des Hauptprotagonisten entzünden sich zehn Seiten doch sehr düstergestimmter Realitätsbetrachtung. Der Gedankenstrudel des zutiefst unsympathischen Charakters ist mal sehr einnehmend-tiefgängig, mal aber auch sowas von style over substance. Ein politischer, etwas arrogant-hochdriftender Blick in das Leben eines reichen, einsamen Mannes, der einen Platz will, in einer Gesellschaft, die Ideale hat. Hat mich durchaus gekriegt, aber manchmal auch mit seiner stilisierten Art etwas genervt.

Gehört

Annabelle: Ich habe versucht, mich mal wieder ein paar neuen Podcasts zu widmen, aber nichts davon konnte mich wirklich begeistern. Vielleicht liegt es auch an meiner allgemeinen Herbst-Lethargie. Zuletzt habe ich in Baby got Business von der Influencerin Ann-Katrin Schmitz reingehört. Ihre Themen klangen ziemlich cool, es geht in erster Linie um Möglichkeiten und Strategien von InfluencerInnen auf Instagram. Sie holt „die komplette Social-Media Landschaft, die digital Journalism-Landschaft und die jungen Entrepreneure und Girlbosses an den Tisch“. Nach so einer Folge wollte ich am liebsten direkt alle meine social media Konten löschen und mich ins echte Leben zurück ziehen, weil ich diesem ganzen Influencer-Kram wirklich gar nichts abgewinnen kann und es mir ehrlich gesagt auch Angst macht, welche rigorosen, schamlosen und ungeheuerlichen Machenschaften dahinter stecken.

Erlebt

Theater „Mit der Faust in die Welt schlagen“

Jenny: Ursprünglich wollte ich für das Stück einen extra Post haben, halte davon im Nachhinein nun aber nichts mehr. Obwohl es kurz nach der Aufführung Diskussionsbedarf gab, ist mir das alles nun im Rückblick kaum noch präsent. Das Staatsschaupiel Dresden hat sich den viel diskutierten und gelobten Roman von Lukas Rietzschel zur Hand genommen und als überspitztes, aber passendes Theaterstück inszeniert. Wobei ohne die Buchlektüre wäre es meiner Ansicht nach schwer zu folgen. Die Stimmung des Buches wurde allerdings super vermittelt und umgesetzt. Die Arbeit mit den Kulissen und dem Bühnenbild war ebenfalls gelungen. Das Stück arbeitete mit vielerlei Andeutungen, sodass der Zuschauer schon gefordert war. Ich würde sagen erst ab einem bestimmten Alter auch verständlich, wobei scheinbar viele jüngere Schulklassen ihren kulturellen Abend dort verbringen. Zumindest waren viele Teenager an unserem Abend dort. Insgesamt durchaus sehenswert und gelungen inszeniert. Es reicht dann aber auch mit dem Hype um das Werk.

Jenny: National Theatre London live „A Midsummer night’s dream“

Highlight des Monats. Und das nicht allein, weil meine Freundin (Shoutout an Marie <3) ihr Glück bei diesem Stück gar nicht fassen konnte (ich war ursprünglich nur ihr zu Liebe dort). Aber eine so phänomenale und so etwas von grandiose Inszenierung von Shakespeare habe ich nie zuvor gesehen. Die Schauspieler (unter anderem GoTs Gwendoline Christie) waren genial und zuweilen wusste man nicht, ob etwas zum Stück gehört oder Impro ist. Wir hatten Lachmuskelkater und hätten noch Stunden weiter sitzen können. Das war Theater, welches Menschen von den Stühlen haut, abholt und Lust auf Mehr macht. Genau das vermisse ich oft bei den ernsten oder gar abgedrehten deutschen Adaptionen. Es war ein (Midsummer Night’s) Traum. Entertainment par Excellence!

Franzi: Huch, jetzt ist der Oktober schon wieder vorbei. Man merkt an der aufkommenden Erkältung, dass es nun doch wieder deutlich dunklere, kalte Tage zu erwarten gibt. Dass trifft sich nicht so mit dem Semesterstart an der Uni, der mir ziemlich viel Disziplin und Kraft raubt – sich früh in der Kälte rauszuquälen aus einem sehr weichen Bett, das ist und wird mein first world problem Nummer 1 bleiben. Ansonsten bin ich in diesem Monat zur Brillenträgerin geworden – nachdem ich wahrscheinlich schon einige Jahre eine hätte gebrauchen können, mich aber entschieden geweigert habe, eine zu tragen. Dabei brauchte es nur das richtige Gestell, um meine Antipathie zu dem Thema ad acta zu legen. Ebenso verbrachte ich einige sehr schöne Momente mit Freund und Freunden: in Sachsens ältestem Wildpark in Moritzburg (wo ich mich übrigens schon sehr auf die baldige Sonderausstellung zu Drei Haselnüsse für Aschenbrödel freue), bei einem sehr sektigen Sektfrühstück an einem ordinary monday morning, beim Kürbisschnitzen, Pita-Brot selber machen und Urlaubsalbum-Basteln. Ich freue mich auf einen kommenden Erster-Glühwein-des-Jahres-Abend und beginne den November mit einem hoffentlich interessanten öffentlichem Schabbat in der Synagoge Dresden anlässlich der Jüdischen Kulturwoche 2019. Und bald ist dann ja schon wieder Weihnachten.

Annabelle: Gefühlt ist mein Lieblingsmonat Oktober mal wieder einfach an mir vorbeigerauscht. Mein großes Highlight war ein 5-tägiger Kurztrip nach Venedig, von dem ich zwei Tage im Zug verbracht habe – die 12-stündige Anreise ist nicht ohne. Aber es lohnt sich total! Auch wenn ich sonst nicht der große Fan von überlaufenen Städten bin, hat sich Venedig doch einen Weg direkt in mein Herz gebahnt mit seinen malerischen Brücken, Gassen, Plätzen und Lädchen. Und das italienische Essen erst… ein Traum. Obendrein hatten wir mit 20 Grad und Sonnenschein perfektes Oktoberwetter.

Was uns der Kino-November bringen wird

Annabelle: Schon mal von Whamageddon gehört? Dieses Jahr definitiv kein Spiel für KinomitarbeiterInnen, denn schon seit Wochen schallen die berühmten Worte des wahrscheinlich meistgehassten Weihnachts-Pop-Songs dank des Trailers zur neusten weihnachtlichen Romantikkomödie Last Christmas (14.11.) durch sämtliche Kinofoyers. Aber wann wenn nicht jetzt ist es an der Zeit sein Herzlein zu öffnen für ein wenig Kitsch!? Weniger cheesy aber definitiv unterhaltsam klingt die Story von Booksmart (14.11.). Hier geht es um zwei Streberinnen, die am Abend vor ihrem Schulabschluss feststellen, vor lauter lernen ihre Jugend gar nicht ausgelebt zu haben – und beschließen, dies an einem Abend nachzuholen.

Lang angekündigt startet nun auch Le Mans 66 – Gegen jede Chance (14.11.). Die Thematik klingt erst einmal nicht uninteressant, schließlich basiert der Film auf biografischen Aspekten über die Rennfahrer Carroll Shelby und Ken Miles und die Rivalität zwischen den Autoherstellern Ford und Ferrari.

Das größte Highlight für kleine Menschen (und KinomitarbeiterInnen) dürfte im November dann Die Eiskönigin 2 (20.11.) sein. Ob wir danach noch Power für Episode 9 von Star Wars im Dezember haben werden? Wir werden sehen…

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